Ver- und Überschuldung in Baden-Württemberg – Expertise im Auftrag des Diakonischen Werks der evangelischen Kirche in Württemberg

Immer wieder  wurde die Schuldnerberatung in den vergangenen Jahren die Frage gestellt, wie hoch denn die Überschuldung (in Baden Württemberg) wirklich sei. Und immer wieder musste sie passen. Es gab bisher keine empirischen Daten zu dieser Frage. Auch die Daten der GP-Forschungsgruppe, die häufig als Fixpunkt gesehen wurde, waren letztendlich eine Schätzung. Der letzte Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung gab sogar ein schlechtes Beispiel für politisch motivierte Sozialberichterstattung ab, indem er nur noch die Überschuldung durch Kredite gezählt hat, soweit diese über das Sozioökonomische Panel (SOEP)  erfasst wurden. Zwangsläufig hat sich daraus eine vermeintliche erhebliche Verbesserung gegenüber dem früheren Armuts- und Reichtumsbericht ergeben.

Immer wieder hat die Schuldnerberatung deshalb eine umfassende Sozialberichterstattung für Baden-Württemberg gefordert. Leider fehlten und fehlen hierfür bisher die politische Einsicht und der politische Wille. Das Diakonische Werk Württemberg hat daher selbst die Initiative ergriffen. Der Karlsruher Wissenschaftler Dr. Gunter E. Zimmermann wurde vom Diakonischen Werk Württemberg beauftragt, die bundesweit vorliegenden empirischen Daten daraufhin durchzuforsten, was man zur Überschuldung – in Baden-Württemberg – aussagen kann.

In der unten herunterzuladenden Expertise gibt Zimmermann eine kurze Einschätzung der vorliegenden Daten und Erhebungen und wertet dann die Daten des Statistischen Bundesamtes zur Verbraucherinsolvenz, zu Eidesstattlichen Versicherungen aus, ebenso die Daten der Schufa zu gemeldeten Zahlungsstörungen und die des SOEP zu den Belastungen der Haushalte durch Kredite:

  • Aus den Statistiken zur Verbraucherinsolvenz und den Eidesstattlichen Versicherungen ergibt sich eine Zahl von bundesweit 3 Millionen (B/W: 300.000) absolut überschuldeten Personen
  • Die Meldungen bei der Schufa (mit Daten über 66 Millionen erwachsene Bundesbürger ist sie als Vollerhebung einzustufen) weisen auf 5,8 Millionen Bundesbürger (B/W: 590.000) mit Zahlungsschwierigkeiten hin.
  • Die Zahlen des SOEP weisen bundesweit 2,8 Millionen (B/W: 325.000) Haushalte als überschuldet aus.

Von zentraler Bedeutung ist darüber hinaus das Überschuldungsrisiko: Von allen verschuldeten Haushalten sind mindestens 10 % überschuldet. Wer sich verschuldet, – wie es im vergangenen Jahr durch die Abwrackprämie einerseits und durch weitreichende Rabatte andererseits kräftig angeregt wurde – hat also eine Risiko von mindestens 10 %, gemessen an allen verschuldeten Haushalten, auch in der Überschuldung zu landen. Aber dann, am Ende des Weges, sind die überschuldeten Personen und Haushalte alleingelassen. Hier fehlt eine ausreichende Unterstützung und ein angemessenes Hilfesystem. Hier müssen sich die Betroffenen einreihen in die Warteschlangen bei den zumeist unterfinanzierten und unterbesetzten Schuldnerberatungsstellen.

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