Überschuldete mit durch­schnitt­lich 34-fachem ihres Monats­einkommens im Minus

Thomas Seethaler, Caritasverband Heidelberg e.V.

Das Statistische Bundesamt hat heute die Ergebnisse der Überschuldungsstatistik 2014 veröffentlicht. Basis sind die Angaben von 395 der rund 1.400 Schuldnerberatungsstellen in Deutschland, die dem Statistischen Bundesamt Angaben von rund 103.000 Klienten zur Verfügung stellten. Die gemeldeten Daten wurden anschließend auf die Grundgesamtheit der durch Schuldnerberatungsstellen beratenen Personen hochgerechnet.

Schwerpunkt der diesjährigen Analyse war die „Schuldenintensität“. Die durchschnittliche Verschuldung wurde im Verhältnis zum Einkommen gesetzt und daraus die theoretische Dauer bis zur Schuldenfreiheit bei vollem Einkommenseinsatz errechnet (=Schuldenintensität).

Das Bundesamt stellte fest, dass die durchschnittliche Verschuldungshöhe pro Schuldner derzeit bei rund 34.504 € liegt und das durchschnittliche Einkommen bei 1.001 €. Bei Einsatz des kompletten Einkommens für die Schuldentilgung wären die Schulden also innerhalb von 34 Monaten gezahlt.

Diese Durchschnittszahlen weichen jedoch je nach Geschlecht, Alter, Haushaltstyp und Beteiligung am Erwerbsleben stark voneinander ab. So haben Männer gegenüber Frauen deutlich mehr Schulden (40.364 gegenüber 28.167 €). Das Durchschnittseinkommen dieser beiden Gruppen weicht hingegen kaum voneinander ab.

Mit steigendem Alter steigt auch die durchschnittliche Schuldenhöhe von knapp 8.000 € (unter 25) auf über 53.000 € (Altersgruppe über 65 Jahre). Zwar steigt das Einkommensniveau zunächst deutlich an, sinkt jedoch ab einem Alter von 44 Jahren wieder spürbar.

Ob ein Schuldner erwerbstätig ist oder nicht, hat ebenfalls einen starken Einfluss auf die Höhe der Schulden. So belaufen sich die Verbindlichkeiten bei Erwerbstätigen auf 45.845 Euro, wohingegen Nicht-Erwerbstätige nur Schulden in Höhe von 27.343 Euro haben. Aufgrund unterschiedlicher Einkommenssituationen weisen die beiden Personengruppen mit 35 Monaten (erwerbstätig) beziehungsweise 32 Monaten (nicht-erwerbstätig) aber ähnliche Überschuldungsintensitäten auf.

Je nach Konstellation der einzelnen Parameter ergeben sich so „Schuldenintensitäten“ von 10 bis 53 Monaten. Dies sind natürlich nur rein theoretische Ergebnisse, sie zeigen jedoch eine gewisse Tendenz. Der Einsatz des gesamten Einkommens zur Schuldentilgung ist in der Realität wohl nie möglich. Dass im Laufe der Zeit zusätzliche Kosten und vor allem Zinsen hinzukommen, muss ebenfalls berücksichtigt werden. Die tatsächliche Dauer bis zu einer Schuldenfreiheit durch reine ratenweise Rückzahlung wäre nach einem solchen Modell in der Regel bedeutend länger und von vielen individuellen Gegebenheiten abhängig. Gerade hier liegt eine der Hauptaufgaben der Schuldnerberatung: Tragfähige Kompromisse zu erreichen, die die Möglichkeiten des Schuldners und die Interessen der Gläubiger angemessen berücksichtigen. Dass dies manchmal sehr schwerfällt sehen wir ganz aktuell auf Staateneben und ist nicht immer nur von objektiven Gegebenheiten abhängig. Häufig gelingt deshalb ein solcher Interessenausgleich nicht, so dass nur noch die Insolvenz des Schuldners zu einer Schuldenfreiheit führt. Jährlich werden in Deutschland immerhin rund 100.000 Insolvenzverfahren über das Vermögen von natürlichen Personen eröffnet.

Die Hauptauslöser für Überschuldung bleiben wie seit Jahrzehnten in erster Linie Arbeitslosigkeit, Trennung/Scheidung/Tod des Partners sowie Erkrankung/Sucht. Weiter werden unwirtschaftliche Haushaltsführung und gescheiterte Selbstständigkeit als bedeutende Faktoren genannt. Dieser Bereich müsste zukünftig überdacht werden. Immer häufiger ist zu beobachten, dass auch dauerhaftes Niedrigeinkommen (Stichwort: Prekäre Beschäftigungsverhältnisse) und der Eintritt in den beruflichen Ruhestand zur Überschuldung führen (Stichwort: Absenkung des Rentenniveaus).

Die Kurzfassung der Ergebnisse kann über folgenden Link downgeloadet werden:

Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes vom 29.06.2015 (PDF)

Weitere Ergebnisse der Überschuldungsstatistik werden laut Statistischem Bundesamt in Kürze veröffentlicht.