Neu: P-Konto-Simulator aus Hamburg

Aus Hamburg kommt ein vielversprechendes, für die soziale/gemeinnützige Schuldnerberatung kostenloses, Angebot: Der sogenannte „Visual P-Konto Simulator 22“.

Ausgehend von einer Anfrage aus dem Bekanntenkreis zum Verlauf eines P-Kontos hat der pensionierter Programmierer Bernd Schiffers ein P-Konto-Berechnungsprogramm entwickelt, nachdem kein solches Programm recherchiert werden konnte. Zusätzlicher Ansporn war der Wunsch nach solch einem „Werkzeug“, der bereits im Bericht vom 01.02.2016 zur „Evaluierung des Gesetzes zur Reform des Kontopfändungsschutzes“ (Auftraggeber: Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz) geäußert wurde: („(10) Angeregt wurde zudem von Bankenseite, im Internet ein Berechnungs-Tool auf der Seite des BMJV bereitzustellen, mittels dessen die Schuldnerinnen und Schuldner jederzeit nachvollziehen bzw. simulieren könnten, welcher Betrag ihnen von ihrem P-Konto (noch) zustünde.“). Außerdem würde auch im >Praxishandbuch Schuldnerberatung< (Groth / Homann / Hornung / Maltry / Richter / Tiffe / Zimmermann / Zipf) vom 14.10.2021) der Wunsch nach einem P-Konto „Kontroll-Rechner“ erwähnt.

Diese Entwicklung hat Herr Schiffers n.e.A. auf dem Hintergrund eines Netzwerks von Fachleuten betrieben, u.a. Prof. Dr. Claus Richter, Fachhochschule Potsdam, der den Kontakt zu Infodienst Schuldnerberatung und BAG-SB hergestellt hat. Die juristischen Fragen wurden nach Angaben von Herrn Schiffers von verschiedenen Juristen begleitet. Dieses Netzwerk sei nötig geworden, weil bald klar geworden war, dass das Thema größer als zunächst gedacht war (und ist). Die ursprüngliche Idee mit dem Ziel, ein Programm für Betroffene zu entwickeln, mit dem sie nachrechnen können, ob die Bank korrekt gerechnet hat, wurde inzwischen geändert. Der P-Konto Simulator richtet sich nun vor allem an Fachleute, z.B. in der Schuldnerberatung, die dann die Berechnungsergebnisse bewerten und mit den Betroffenen besprechen können.

Herr Richter schrieb Anfang Juni an den Infodienst Schuldnerberatung und BAG-SB:
„Natürlich war ich zuerst misstrauisch und war mir nicht sicher, was ich davon halten sollte. Ich bin nun aber seit mehreren Monaten mit [Herrn Schiffers] in Kontakt und hatte auch die Gelegenheit, das Programm im Rahmen eines studentischen Projekts einzubinden.
Leider konnte ich bisher nicht so viel Zeit in das Projekt stecken, wie ich eigentlich vor hatte. Normalerweise würde ich gern noch mehr und konkretere Berechnungen machen. Ich kann aber schon sagen, dass das Programm zumindest sehr umfassend die Regelungen zum P-Konto berücksichtigt, inkl. natürlich der aktuellen Übertragungsregeln [Anm. der Red.: Die neue dreimonatige Übertragungsfrist in Verbindung mit dem „first-in, first-out“-Prinzip stellt besondere Anforderungen an die Berechnung], auch wenn ich nicht garantieren kann, dass jeder Spezialfall wirklich korrekt berechnet wird. Jedenfalls als „Beta-Version“ könnte man das Programm mE problemlos bereits zur Verfügung stellen.
Ferner kann ich mittlerweile meine Hand dafür ins Feuer legen, dass der Autor absolut seriös und vertrauenswürdig ist und keine privaten Interessen verfolgt außer ggf. ein wenig Anerkennung für die viele Arbeit, die er in das Programm gesteckt hat (insoweit würde ihm wohl der Hinweis auf seine Urheberschaft vollkommen ausreichen). Es ist ein sehr angenehmer und sympathischer Fachmann, der seine Fachkenntnisse noch zum Wohle der Allgemeinheit genutzt sehen möchte.“

Seit dieser ersten Kontaktaufnahme zu uns Anfang Juni 2022 wurde der P-Konto Simulator weiterentwickelt und kann nach Angaben des Programmierers nun auch in der Praxis eingesetzt werden. Lediglich die Funktionen für den Übergang von Zahlungskonto zum P-Konto wurden erst vor wenigen Wochen integriert und zu diesen Funktionen würde eine juristische Revision noch nicht vorliegen. Für die Weiterentwicklung und endgültige Freigabe des Berechnungstools benötigt der Entwickler weitere Praxisfälle und Rückmeldungen aus der Praxis.

Das Berechnungstool soll b.a.w. in einer „kontrollierten“ Form in der Schuldnerberatung untergebracht werden. Daher wird es nicht zum freien Download freigegeben, sondern kann per Email an den Programmierer Herrn Schiffers bezogen werden (bernd.schiffers[at]gmx.de).

Das Berechnungstool ist eine aufwendige Excel-Kalkulation. Sie rechnet P-Konto-Verläufe frühestens ab Januar 2022 ab. Sie braucht vergleichsweise wenige Eingaben und stellt den prognostizierten Verlauf in vielfältiger Form grafisch und in Tabellen dar. Sie benötigt u.E. allerdings eine gewisse Einführung, da eine ausführliche Hilfefunktion oder Anleitung (noch?) nicht vorhanden ist und sich das Vorgehen nicht unbedingt auf den ersten Blick erschließt. Für Einführungen steht der Entwickler auch gerne zur Verfügung und wird Anfragen dazu bündeln und in Form von Online-Schulungen begegnen. Er bittet um Anfragen per Email (Email-Adresse s.o.).

Herr Schiffers ist für Überprüfung und Weiterentwicklung des Berechnungstools stark an Beispielen aus der Praxis interessiert und freut sich über entsprechende Weiterleitungen und/oder Mitteilungen.

Im Folgenden sehen Sie ein paar Bildschirmausschnitte zu den Eingabebereichen (ohne Anspruch auf Korrektheit und/oder Überstimmung mit rechtlichen Rahmenbedingungen [z.B. Freibetrag]) und den vom Berechnungstool ermittelten Ergebnissen (ein Klick auf das Bild öffnet ein neues Fenster mit großem Bild).

Startseite mit Grundeinstellungen:

 

 

 

 

Frei- und Erhöhungsbeträge:

 

 

 

 

Die monatlichen Einnahmen und Ausgaben werden summiert auf der Seite „Visuelle P-Konto Simulation“ pro Monat eingegeben:

 

 

 

 

Der weitere Verlauf, d.h. die rechnerische Simulation des Verlaufs wird in verschiedener Weise grafisch mit vielfältigen Diagrammen und auch in einer Tabelle

 

 

 

 

 

…oder „deskriptiv“ dargestellt: