Jugendliche in der Schuldenfalle, Handys: Prepaid-Karte hilft, Kosten zu kontrollieren

Darmstädter Echo Online-Ausgabe, Juni 2004

KANN SÜCHTIG MACHEN: Jugendliche unterschätzen die Kosten fürs Mobiltelefonieren oft. So genannte Prepaid-Karten sind zurzeit das einzige Mittel, um die Handykosten zu kontrollieren.

Der 16 Jahre alte Stefan hat ein Hobby: Telefonieren. Monatlich etwa 150 Euro stehen auf seiner Festnetz-Telefonrechnung. „Das zahlen aber meine Eltern“, sagt der Schüler der Ernst-Reuter-Schule im Groß-Umstädter Stadtteil Richen. Die etwa 100 Euro im Monat für sein Handy hingegen muss er selbst aufbringen. Als „kontrollierte 100 Euro“ bezeichnet er sie. Der Schüler stückelt seine Handy-Kosten nämlich mit so genannten Prepaid-Karten. „Damit sind es jeweils nur 15 Euro“, rechnet er vor.

Nach dem Prepaid-System werden begrenzte Geldwerte – üblicherweise zwischen 10 und 50 Euro – aufs Handy geladen und dann abtelefoniert. Auch auf diese Weise können Jugendliche zwar viel Geld vertelefonieren, immerhin bewahrt das System aber vor einer unkalkulierbar hohen Rechnung am Monatsende.

„Prepaid-Karten sind für Jugendliche momentan der einzige Schutz vor Verschuldung“, bestätigt Irene Finger von der Schuldnerberatung des Diakonischen Werks in Dieburg. Doch viele Jugendliche nutzen Vertragshandys. Und unterschätzen Risiken und Gebühren der mobilen Kommunikationswelt: „Eine Freundin von mir hatte mal eine Rechnung über 500 Euro, weil sie Verwandte in der Türkei angerufen hat“, erzählt zum Beispiel Deniz (16). Ein Kumpel des gleich alten Dominik schickte für 300 Euro Kurznachrichten – so genannte SMS – vom Fußballturnier in Frankreich nach Hause.

Das sind keine Einzelfälle: Sechs Prozent der Jugendlichen im Alter zwischen 13 und 17 Jahren haben laut einer Studie des Instituts für Jugendforschung in München durchschnittlich 370 Euro Schulden. Bei den 18- bis 20jährigen stehen sogar 13 Prozent in der Kreide – mit im Schnitt 1430 Euro. 18 Prozent geben Handy und Telefon als Verursacher ihrer Schulden an. „Für die Mobilfunkanbieter sind Jugendliche eine echte Zielgruppe“, stellt Ruth Werbeck von der Verbraucherzentrale Hessen fest. Angaben der Werbewirtschaft zufolge verfügten Jungkonsumenten zwischen 6 und 19 Jahre im vergangenen Jahr über mehr als 20 Milliarden Euro.“Sie sind die einzige gesellschaftliche Gruppe, die momentan über ein wachsendes Einkommen verfügt“, sagt Werbeck. Und so locken O2, E-plus, T-Mobile oder Vodafone mit Handys für nur einen Euro und Telefonieren ohne Grundgebühr.

Ein relativ neues Ärgernis sind überteuerte „Premium-SMS“. „Mein Bruder hat mal so Horoskope auf sein Handy geschickt bekommen“, erzählt Patricia (15). „Der wusste gar nicht, warum.“ Wie die Verbraucherzentrale mitteilt, schicken so genannte Mehrwertdienste-Anbieter seit einigen Monaten gezielt Kindern und Jugendlichen Kurznachrichten aufs Handy. Oft sind es Flirt- und Kontakt-SMS wie „Guten Morgen, Schatz, ich denke an Dich. Wie geht es Dir?“ Wird die Frage beantwortet, wird es teuer: 1,99 Euro pro Kurznachricht sind keine Seltenheit. Der Preis steht am unteren Ende der eingegangenen SMS – nach Hunderten von Leerzeichen. Dass er leicht übersehen wird, ist Kalkül. In manchen Fällen wird mit der Beantwortung der ersten SMS automatisch ein Abonnement weiterer 10 bis 15 Kurznachrichten bestellt. Rechtlich ist das Vorgehen der Drittanbieter, deren Dienste über die monatliche Handyrechnung abgerechnet werden, noch nicht geklärt. „Da wird auf Kosten Unwissender abgezockt“, ärgert sich Werbeck. „Gerade bei SMS zeigen einige Jugendliche ein gewisses Suchtverhalten“, ergänzt Wolfgang Keller von der Schuldnerberatungsstelle des Kreises in Dieburg. Etwa 20 Jugendliche mit Handyschulden berät er nach eigenen Angaben im Monat. „Die Dunkelziffer ist aber wahrscheinlich viel höher“, schätzt Keller. Bei verschuldeten Minderjährigen sprängen am Ende oft die Eltern „in die Bresche“.

Gegen Handyschulden von Jugendlichen wird nun auf Bundesebene vorgegangen. Verbraucherministerin Renate Künast forderte die Mobilfunkunternehmen im Frühsommer auf, spezielle „Handys-für-Kids-Verträge“ anzubieten. 0190-Nummern, um Klingeltöne oder Logos herunterzuladen, und auch „Premium-SMS“ wären in solchen Verträgen automatisch gesperrt. Laut Verbraucher-zentrale bietet nur Anbieter T-Mobile diese Option schon jetzt an. Werbeck: „Hier ist ein grundsätzliches Problem erkannt worden.“

teltarif.de-Special: Premium-SMS wird immer öfter zur Kostenfalle

teltarif.de schreibt im aktuellen Newsletter: Wer gerne die Jugendmusiksender Viva oder MTV sieht, bekommt sie im Viertelstundentakt serviert: Werbung für Premium-Dienste wie Klingeltöne, Handylogos, Handy-Games, Neuigkeiten vom Musikidol oder Flirtkontakte.  Bislang zügelten sich die Diensteanbieter noch selber, in der Regel bewegen sich die Preise für die Premium-SMS-Dienste in einem Rahmen von 29 Cent bis 3 Euro. Doch damit wird es wahrscheinlich schon bald ein Ende haben, denn im Frühjahr dieses Jahres haben einige Unternehmen bereits die Aufhebung der Selbstbeschränkung angekündigt.

Doch auch jetzt entwickeln sich Premium-SMS immer mehr zur Kostenfalle, warnen die Verbraucherzentralen. Besonders Jugendliche lassen oft das nötige Kostenbewusstsein vermissen. Das nutzen unseriöse Dienstanbieter aus: Beispielsweise versteckt sich immer häufiger hinter einem scheinbaren Klingelton- oder Bildschirmlogo-Angebot gleich ein ganzes Paket oder ein Monatsabonnement. In einem von teltarif.de beschriebenen Fall summierten sich die Kosten so mit einem Schlag auf 69,95 Euro. Aber auch mit anderen Maschen versuchen manche Anbieter, die Unachtsamkeit oder Gutgläubigkeit der Handybesitzer auszunutzen.

Wer einmal auf ein unseriöses Angebot hereingefallen ist, bekommt nur selten das Geld zurückerstattet, denn noch streiten sich die Experten über den Status, die Standards und die Gesetzmäßigkeit der Premium-SMS-Angebote. Auf teltarif.de können Sie nachlesen, mit welchen Tricks in der Branche gearbeitet wird und wie Sie sich davor schützen können.

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