Index der gerichtlichen Zwangsvollstreckung 2018

Nicolas Mantseris, Neubrandenburg *)

Nicolas Mantseris entwickelt in seinem Beitrag einen Index der gerichtlichen Zwangsvollstreckung. Wir freuen uns, dass er ihn im Infodienst Schuldnerberatung gerne vorstellen und künftig fortführen will.  Hintergrund sind die kürzlich von Creditreform veröffentlichte Zahlen, die aus Sicht des Autors in keinem Fall mit der Gerichtsstatistik übereinstimmen würden.

In diesem Beitrag wird der Index der gerichtlichen Zwangsvollstreckung erstmals vorgestellt. Der Index soll künftig ein Baustein sein, der eine realistische Einschätzung zur Entwicklung von Vollstreckung und Überschuldung in Privathaushalten ermöglicht.

Seit vielen Jahren nimmt die gerichtliche Beitreibung von Forderungen gegen Privathaushalte ab. Dieser Trend hat sich auch im Jahr 2017 fortgesetzt. Der hier vorgestellte Index ist auch im vergangenen Jahr um drei Zähler gesunken. Es ist der niedrigste festgestellte Wert. Mit 81 liegt er 29 Zähler unter dem Höchstwert im Jahr 2006.

Dem Index liegen drei Indikatoren aus der Gerichtsstatistik  zu Grunde. In diesem Bericht wird die Entwicklung dieser ausgewählten Indikatoren dargestellt. In der Gerichtsstatistik wird die Beitreibung von im Rahmen zivilrechtlicher Verfahren entstandene Forderungen erfasst. Nicht erfasst sind die Forderungen öffentlich rechtlicher Gläubiger, die mit Bescheid Forderungen feststellen können und über eigene Vollstreckungsbehörden verfügen.

Ebenfalls unberücksichtigt bleibt die vorgerichtliche Forderungsbeitreibung. Die Inkassobranche berichtet, dass er weit überwiegende Teil fälliger Forderungen vorgerichtlich geklärt werde.  Den betroffenen Haushalten war es demnach möglich, vor zusätzlichen vor allem wirtschaftlichen Konsequenzen, Forderungen zu tilgen. Zahlungsstörungen waren somit vorübergehend. Sofern Forderungen  oder Vollstreckungsmaßnahmen gerichtlich geltend gemacht werden, kann von einer nachhaltigen Zahlungsstörung gesprochen werden.

Aus der Statistik wird weder die Höhe der Forderung erfasst, noch kann erkannt werden, gegen wen vollstreckt wird. So wird auch gegen Firmen vollstreckt. Diese Verfahren spielen jedoch eine untergeordnete Rolle. Vielmehr richten sich Mahn- und Vollstreckungsverfahren in erster Linie gegen Privatpersonen.

Die Indikatoren spiegeln somit die unzureichende Zahlungsfähigkeit bzw. Zahlungsbreitschaft betroffener Menschen wieder. Drei der vier hier vorgestellten Indikatoren werden zu einem Index zusammengefasst.

Zwei weitere Daten aus den Indikatoren sind weiter interessant: Mehr als 1.3 Mio. Verbraucher konnten das Verbraucherinsolvenzverfahren seit seiner Einführung im Jahr 1999 nutzen. Im Jahr 2017 ist die Zahl der Mahnverfahren erstmals seit 14 Jahren wieder leicht gestiegen.

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Nicolas Mantseris ist Schuldnerberater beim
Caritasverband für das Erzbistum Hamburg e.V.
Region Neubrandenburg

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