Darf es auch etwas mehr sein? Überschuldung privater Haushalte in der Statistik

Prof. Dr. Monika Burmester, Ev. Fachhochschule Rheinland-Westfalen-Lippe

Wie  viele  private  Haushalte  sind  überschuldet  und  welche  Haushalte  tragen  ein  erhöhtes Überschuldungsrisiko? Solche Fragen werden zu unterschiedlichen Anlässen und aus unterschiedlichen Beweggründen immer mal wieder gestellt.

Überschuldung privater Haushalte ist ein  Thema,  das  auch  in  der  Armuts-  und  Reichtumsberichterstattung  der  Bundesregierung aufgegriffen  wird.  Für  entsprechende  Berichterstattungen  bzw.  Forschungen,  in  denen  es u.a. um Fragen der Vermeidung (Prävention) und Überwindung privater Überschuldung geht, sind Daten notwendig. Die vorliegenden Daten insbesondere aus der Überschuldungsstatistik der Schuldnerberatungsstellen liefern Informationen über bekannte, nicht aber über verdeckte Überschuldung. Aus den Daten über die Inanspruchnahme von Schuldnerberatung lassen sich keine Schlüsse auf die Gesamtheit überschuldeter Haushalte ziehen. Auf die Ausgangsfrage wurde bislang keine befriedigende Antwort gefunden. Frau Dr. Prof. Burmester beschäftigt sich in ihrem Beitrag mit den verschiedenen Datenquellen, die Rückschlüsse auf private Überschuldung zulassen.

Fazit: Es gibt eine Vielzahl von Datenquellen, die Rückschlüsse auf private Überschuldung zulassen. Eine belastbare Zahl für die Gesamtheit überschuldeter privater Haushalte gibt es nicht und kann aus den verfügbaren Quellen zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht gewonnen werden. Das Bedürfnis nach der einen zuverlässigen Zahl ist verständlich, die Erwartungen an die Leistungsfähigkeit statistischer Erhebungen sollten aber nicht  zu hoch geschraubt werden. Ob es den aussagefähigen und allgemein akzeptierten Wert jemals geben wird, ist in Anbetracht der Erhebungs- und Messproblematik zu bezweifeln. Ein Blick auf die Ergebnisse der Armutsforschung zeigt auch dort, dass die Anzahl der einkommensarmen Menschen und Haushalte je nach zugrundeliegender Datenquelle unterschiedlich hoch ausfällt. Aber auch in der Armutsforschung interessieren nicht primär die genaue Anzahl der betroffenen Personen und Haushalte, sondern vielmehr die zeitliche Entwicklung, die unterschiedlichen Armutsrisiken  und  die  Dynamik  von  Armut.  Wenn  entsprechende  Erkenntnisse  für  überschuldete Haushalte auf einer breiten statistischen Basis generiert werden könnten, dann wäre schon viel gewonnen.

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