Bürgerbewegung Finanzwende: #Finanzschelle 1 Inkasso geht an …

… nein, nicht  an einen der bekannten „schwarzen Schafe“ der Inkassobranche, sondern an einen der ganz großen Player in der Inkassoindustrie: An die EOS-Gruppe.

Wenn man dem Bund Deutscher Inkasso Unternehmen (BDIU) glaubt, so ist das Geschäftsgebahren der Inkassobranche bis auf wenige Ausnahmen nicht zu beanstanden. Die Bürgerbewegung Finanzwende, ein Zusammenschluss von Bürger*innen, die sich auf die Fahne geschrieben haben, sich für eine Finanzwirtschaft einzusetzen, die Gewinnstreben in Einklang mit sozialen, ökonomischen und ökologischen Zielen der Vereinten Nationen bringt, sieht das anders.

Am Beispiel der EOS-Gruppe zeigt sie auf, mit welchen rechtlich fragwürdigen Methoden mit der Beitreibung von offenen Forderungen große Erträge erwirtschaftet werden können.

Link:Der ehrbare Kaufmann zu Hamburg – und seine Inkassopraktiken
Video:Finanzschelle #1 Inkasso

Die EOS-Gruppe besteht aus 60 verschiedenen Firmen, die weltweit in 26 Ländern im Bereich Finanzdienstleistungen tätig sind. Schwerpunkt ist das Forderungsmanagement einschließlich Forderungskauf und Inkasso . EOS gilt als Deutschlands größter Inkasso-Anbieter. (Quelle: Wikipedia). Gemeinsam ist allen Unternehmen der EOS-Gruppe, das sie 100%-ige Tochter- bzw. Schwesterfirmen innerhalb der „Otto-Group“ sind.

Früher verdiente der Otto-Konzern sein Geld hauptsächlich im Versandhaushandel (Otto-Versand, Manufactum, Bonprix, Baur, Schwab u.a.) , heutzutage ist der Konzern natürlich auch im Bereich des Onlinehandels tätig –  auf Neudeutsch „Multichannel Einzelhandel“. Während dort die Margen inzwischen bei nur 2% liegen, können sie im Inkassobereich durchaus bis zu 40% erreichen. So erzielte der EOS-Konzern im Geschäftsjahr 2018/2019 einen Gewinn von 322 Mio. €,  der restliche Teil der Otto-Group machte laut Finanzwende hingegen Verluste.

Das Geschäftsmodell der „ehrbaren Kaufleute zu Hamburg“ besteht einerseits darin, dass die Firmen der EOS-Firmengruppe, namentlich der Deutsche Inkassodienst, Forderungen der Firmen im Bereich der Otto-Group beitreibt und dabei Kosten geltend macht, die rechtlich mehr als fragwürdig sind.

Der Gesetzgeber sieht deshalb generell Reformbedarf, die enorm gestiegenen Inkassokosten zu begrenzen, die oftmals in keinem halbwegs angemessenen Verhältnis zum Aufwand der Inkassounternehmen und der Höhe der Forderungen stehen (Näheres siehe hier).

Zum anderen kaufen Firmen aus dem EOS-Verbund offenstehende Forderungen dritter Unternehmen auf (sog. Factoring),  um diese – in ihr Eigentum übergangenen Forderungen – im eigenen Verbund in der Regel vom Deutschen Inkassodienst kostenträchtig eintreiben zu lassen, obwohl die aufkaufenden Firmen teilweise selbst als Inkassodienstleister registriert sind (so z.B. die EOS Finance GmbH und die EOS Investment GmbH). Insgesamt sind beim Amtsgericht Hamburg sechs Firmen aus der EOS-Gruppe als Inkassodienstleister registriert.

Diese Form des Inkassos von konzerneigenen Forderungen durch konzerneigene Tochter- und Schwesterfirmen wird „Konzerninkasso“ genannt, dessen Zulässigkeit rechtlich höchst umstritten ist. Bei dieser Variante der Forderungsbeitreibung, geht es darum, dem Gläubiger(unternehmen) die nach der BGH-Rechtsprechung obliegende, zumutbare und kostenlos zu erbringende Eigenbemühungen im Wege des Outsourcings zu Lasten des Schuldners abrechenbar zu gestalten. Die bisherige interne Mahnabteilung des Gläubiger(unternehmen)s wird in ein konzernangehöriges und damit im Sinne von § 15 AktG verbundenes Unternehmen ausgegliedert, welches dann Kosten als „Verzugsschaden“ geltend macht, die der Gläubiger selber nicht erheben darf und bei denen im übrigen bezweifelt werden kann, dass der Forderungsinhaber tatsächlich Zahlungen/Leistungen an das verbundene Inkassounternehmen erbringt, so dass bereits kein zu liquidierender Verzugsschaden besteht und deshalb auch nicht vom Schuldner als Schadensersatz verlangt werden kann.

Die Bürgerwende kommt zu dem Schluss: ” Es geht hier also nicht um Expertise und Erfahrung mit einer bestimmten Tätigkeit, sondern ganz allein um die Maximierung des Gewinns. Sozial gerecht und nachhaltig ist das nicht. “

Bei einem “derart prominenten Unternehmen, das sich Werte wie soziale Verantwortung auf die Fahnen schreibt”  und dessen Aufsichtsratchef Michael Otto, Sohn des Firmengründers Werner Otto und aktuell Mitglied der “Versammlung eines ehrbaren Kaufmanns zu Hamburg”, sei das “Agieren von EOS gerade nicht ehrbar”.

Das Geschäftsmodell von EOS zeigt exemplarisch auf, dass es nicht nur die oben erwähnten wenigen kleine “schwarzen Schafe” seien, die für den schlechten Ruf der Inkassobranche sorgten: ” Probleme machen aus Kundensicht … auch die Top-Player der Branche”.

Die Bürgerbewegung Finanzwende fordert von Otto deshalb:

  • umgehend die Praktik des Konzerninkassos einzustellen,
  • die Geschäftszahlen und Inkassokosten von EOS transparenter darzustellen, damit sich das Unternehmen von dem Vorwurf befreien kann, dass es seinen Konzerngewinn auf anstößigen Praktiken aufbaut,
  • bei EOS die Kostensätze zu reduzieren und mit den Schuldnerinnen und Schuldnern durchgehend fair umzugehen.