Relevanz von Beratungsmethoden in der Sozialen Schuldnerberatung für Ehrenamtliche

Gerhard Kölbl, Hans Schaller – ehrenamtliche Mitarbeiter der ZSB Stuttgart

Die Teilnehmer der Veranstaltungsreihe „Beratungsmethoden in der Sozialen Schuldnerberatung“ waren sowohl hauptamtliche als auch ehrenamtliche Mitarbeiter verschiedener Schuldnerberatungen.
Wir gehen davon aus, dass wir als ehrenamtliche Mitarbeiter zum Teil andere Vorstellungen und Erwartungen an die Fortbildungsreihe hatten als hauptamtliche Mitarbeiter und bei der Umsetzung neben der individuellen Auswahl der Themen wahrscheinlich auch mit anderen Schwerpunkten arbeiten werden.

Hervorheben möchten wir die besondere Arbeitsatmosphäre sowohl im Plenum als auch in den jeweiligen Arbeitsgruppen. Die Diskussionen liefen auf Augenhöhe und wir hatten den Eindruck, dass unser Anspruch als Ehrenamtliche die Arbeit in der Schuldnerberatung zu bereichern auch bei den hauptamtlichen Kollegen geschätzt wird.
– Neben der individuellen Motivation sind das die beruflichen Fachkompetenzen und Sichtweisen aus nicht sozialen Berufen
– Erweiterung des Spektrums und damit neue Denkansätze durch Perspektivwechsel bei offenen Diskussionen mit beiden Gruppen
– Entlastung von Hauptamtlichen durch Übernahme zeitlich aufwendiger Tätigkeiten
– Freude an der Arbeit mit Schuldnern, weil die Motivation keine monetären Aspekte beinhaltet, diese positive Ausstrahlung wirkt sich auf die Arbeit mit den Klienten entsprechend aus
– Zeit für Klienten weil kein Leistungsdruck ausgeübt wird
– Zufriedenheit der Berater und damit die Chance auf eine bessere Beratungsqualität, weil sich der/die Ehrenamtliche die Klienten mit auswählen kann
– Multiplikatoreffekt, jeder Ehrenamtliche bewegt sich in seinem sozialen Umfeld

Im Vordergrund der bisherigen Schulungen von Ehrenamtlichen stand primär die Vermittlung von Fachwissen im Bereich Problemstellungen unserer Zielgruppe, der Information über vorhandenen und sich ändernden Rechtslagen, der Umsetzung von Möglichkeiten zur
Entschuldung der Klienten und der damit erforderlichen programmtechnischen Anwendungen.
Bei der Schulungsreihe von Prof. Dr. Ansen wurde der Anspruch einer „Sozialen Schuldnerberatung“ umfassend erläutert und die multiplen Herausforderung an die Beratung und Unterstützung von verschuldeten Menschen in seiner komplexen Wechselbeziehung gezeigt.
Neben dem Aufbau von Arbeitsbeziehungen und den damit verbundenen Kenntnissen in den diversen Arten der Gesprächsführung wurde u.a. die Motivation der Ratsuchenden behandelt. Weitere Themenschwerpunkte waren die Realisierung und Nutzung von Ressourcen und die Bewältigung von Krisen.

Spezielle Punkte

1. Soziale Schuldnerberatung ist mehr als Schuldnerberatung und damit mehr als Schuldenregulierung: Es handelt sich häufig um einen komplizierten und komplexen Prozess, der viele Lebensbereiche des Klienten tangieren kann.
2. Erfolgreiche Schuldnerberatung bedarf umfassender Kenntnisse im Bereich der Gesprächsführung, um situationsadäquat reagieren zu können.
3. Bedeutung von Toleranz, Empathie und Wertschätzung des Gegenübers für einen erfolgreichen Beratungsprozess wurde deutlicher – Gespräch auf Augenhöhe
4. Größere Akzeptanz der eigenen Grenzen und daraus resultierend die Notwendigkeit, Hilfe bei Fachleuten suchen (für sich und Klienten)
5. Professionelle Distanz ist gerade bei Ehrenamtlichen, die aus einer bestimmten ethischen Grundhaltung helfen wollen, besonders wichtig („Spaßfaktor“ muss erhalten bleiben)
6. Möglichkeiten, die Klienten zur aktiven Mitarbeit zu bewegen sind größer als ursprünglich gedacht (Motivation durch frühzeitiges Aufzeigen eigener Handlungsmöglichkeiten)
7. Vorbereitung auf ein Gespräch verbessert die Chance auf größere Effizienz
8. Authentizität ist für Beziehung zwischen Beratendem und Klient von großer Bedeutung (Körpersprache, Wortschatz etc.). Kein verstecken hinter einer Fassade!
9. Die Wahrnehmung des Präventionsauftrags ist ein wichtiger Teil der Beratung im Hinblick auf Nachhaltigkeit
10. Sensibilisierung für Faktoren, die den Schuldner hemmen, sich aktiv an der Regulierung zu beteiligen.
11. Systematik bei der Hilfeplanung (Wirkungs- und Teilziele sowie darauf basierende Handlungsschritte und damit Nachdenken über die Zukunft!
12. Verzicht auf vorschnelle Bewertungen auf der Grundlage der eigenen Wertvorstellungen
13. Priorität haben die Ziele, Wünsche und Anliegen der Klienten, aber kein Verzicht auf Prüfung der Realisierung
14. Veranschaulichung und Reduzierung von Informationen auf Bedürfnisse und Voraussetzungen des Klienten
15. Umgang mit Konflikten erfordert deeskalierende Gesprächsführung mit dem Ziel der beiderseitigen Gesichtswahrung

Resümee

– Das Handlungsrepertoire wurde bewusst gemacht, erweitert, systematisiert und ermöglicht einen individualisierten Zugang zu den Klienten.
– Die Erprobung einzelner Bestandteile der Fortbildung in der Praxis ist erfolgt, allerdings mit unterschiedlichem Erfolg. Die Anwendungsmöglichkeiten sind durch die relativ geringe Zahl an Klienten gering.
– Die Fortbildung sensibilisierte dafür, stärker die Bedürfnisse der Klienten zu beachten und verleiht durch die Erweiterung des Methodenrepertoires dem Berater mehr Sicherheit und ist damit insgesamt dem Beratungsprozess förderlich.
– Die Gespräche mit anderen Teilnehmern während der Fortbildung trugen ergänzend dazu bei, das eigene Vorgehen zu reflektieren und Handlungsalternativen kennenzulernen. Besonders bereichernd war, dass sich die Gruppe aus hauptamtlichen und ehrenamtlichen Schuldnerberatern zusammensetzte.

Die besondere Anerkennung für die methodische und didaktische Umsetzung der nicht ganz leichten Kost gilt dem Referenten Prof. Dr. Ansen. Eine insgesamt gelungene Veranstaltungsreihe.

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