Milliardengeschäft Inkasso – Die Geldeintreiber und ihre Opfer

Die Redaktion

Knapp sieben Millionen Deutsche sind überschuldet. Wer seine Raten nicht bezahlen kann, dem flattern immer neue Rechnungen und Drohbriefe ins Haus.

Da sind Schuldner schnell mit dem Doppelten und Dreifachen der eigentlichen Forderung in den Miesen. Für die Inkassoindustrie ein extrem lukratives Geschäft. Rund fünf Milliarden Euro setzt sie jährlich um, Tendenz steigend. Dabei sind bei weitem nicht alle Inkassoforderungen rechtens. Die Dokumentation von Grimme-Preisträger Michael Richter zeigt, wie eine Industrie für ihren Profit bewusst in Kauf nimmt, dass Menschen immer tiefer in die Verschuldung abrutschen.

Aus dem Pressetext:

Anke R. ist Finanzbeamtin im gehobenen Dienst. Nie hätte sie sich träumen lassen, dass sie mal vor einem Berg Schulden enden würde. Doch ihr verstorbener Mann scheiterte als Freiberufler, verließ die Familie und weigerte sich, Unterhalt zu zahlen. Anke R. blieb mit den Schulden zurück. „Wenn es klingelte, hab ich den Kindern gesagt, sie sollen bloß nicht aufmachen. Weil ich Angst hatte, dass draußen die Leute vom Inkassounternehmen stehen.“

So wie Anke R. geht es immer mehr Deutschen. Mit den Schulden kommen die Inkassobriefe. Und wer die Raten nicht bezahlen kann, dem flattern immer neue Forderungen ins Haus. Da ist man schnell mit dem Doppelten oder Dreifachen des eigentlichen Betrages in den Miesen. Anke R. zum Beispiel schätzt, dass ein Drittel ihrer Schulden allein Inkassogebühren sind.

Für die Inkassoindustrie ist das ein extrem lukratives Geschäft. Rund fünf Milliarden Euro setzt sie in Deutschland jährlich um, Tendenz steigend. Denn der Onlinehandel und ein wachsender Konsum bringen immer mehr unbezahlte Rechnungen mit sich. Schon heute sind knapp sieben Millionen Deutsche überschuldet: jeder zehnte Erwachsene.

Dabei sind bei weitem nicht alle Inkassoforderungen rechtens. Häufig finden sich Rechnungen mit Fantasiegebühren, überhöhten Zinssätzen und mehrfach gestellte Forderungen. Oder Minderjährige werden illegal in Ratenzahlungen gedrängt, so wie es Christian G. ergangen ist. Mit 19 steckt der Auszubildende so tief im Schuldensumpf, dass er allein nicht mehr rauskommt.

Besonders dubios: die sogenannte „doppelte Ernte“. Auf eine offene Forderung hin mahnen sowohl ein Inkassobüro als auch eine Anwaltskanzlei. Da landet der Schuldner bei einer Forderung von 20 Euro schnell bei einem Gesamtbetrag von 150 Euro. Besonders erschreckend: Selbst große und bekannte Unternehmen sind an dieser Praxis beteiligt und versuchen mit allen Mitteln, eine Berichterstattung zu vermeiden.

Die aufrüttelnde Dokumentation wird am Montag, den 01.04.2019 | 22:45 Uhr in der ARD ausgestrahlt (Story im Ersten).