Überschuldungsstatistik 2016 – fast 40% des Einkommens für Wohnung benötigt

Die Überschuldungsstatistik wird seit 2006 vom Statistischen Bundesamt veröffentlicht. Sie gibt Auskunft über die Situation von Überschuldung betroffener Menschen, erlaubt allerdings keine Aussagen über die Gesamtzahl der überschuldeten Haushalte und Personen. Die neue Ausgabe beruht auf den Zahlen für 2016 und steht auf der Seite von Destatis zum Download zur Verfügung.
Die Ergebnisse basieren auf Angaben von 461 Schuldnerberatungsstellen aus ganz
Deutschland. Sie beinhalten anonymisierte Daten von 118.000 beratenen Personen, die dazu ihr Einverständnis gegeben haben.
Im Jahr 2016 stand dem Haushalt einer überschuldeten Person, die bei einer Schuldnerberatungsstelle  Hilfe suchte, durchschnittlich ein Nettoeinkommen von 1.274 Euro pro Monat zur Verfügung. Mit durchschnittlich 482 Euro machten die Kosten für die Wohnung einschließlich Energie- und Nebenkosten 38 % aus. Betrachtet man nur das eigene Einkommen des Schuldners von durchschnittlich 1.053 Euro, so machten die Wohnkosten sogar 46 % aus. Wie das Statistische Bundesamt weiter mitteilt, hatten sich die Wohnkosten im Vergleich zum Haushaltseinkommen im Jahr 2015 für die Gesamtbevölkerung lediglich auf gut 27 % belaufen.
Obwohl die Mietkosten ein gewichtiger Posten im Budget waren, hatte im Jahr 2016 nur gut jeder fünfte Überschuldete (22 %) offene Verbindlichkeiten bei seinem Vermieter. Mietschulden standen somit erst an neunter Stelle der häufigsten Schuldenarten. Man kann vermuten, dass die Miete aufgrund der drastischen Konsequenzen, wenn sie nicht bezahlt werden würde, beim Einsatz der zur Verfügung stehenden Mittel eine hohe Priorität einnimmt. Die Mietschulden betroffener beratener Personen betrugen im Jahr 2016 durchschnittlich 3.992 Euro und damit mehr als das Achtfache der monatlichen Wohnkosten. In Relation zu den durchschnittlichen Gesamtschulden aller überschuldeten Personen in Beratung (31.613 Euro) machten die Mietschulden einen Anteil von 13 % aus.

Den größten Anteil ihres Haushaltseinkommens mussten Haushaltstypen mit nur einem Erwachsenen für die Wohnkosten aufwenden, am höchsten lag der Wert mit 45 % bei alleinlebenden Frauen. Unabhängig vom Haushaltstyp machten die Wohnkosten für überschuldete Personen stets einen höheren Anteil des Einkommens aus als bei vergleichbaren Haushalten in der Gesamtbevölkerung. Am größten war der Unterschied bei Paaren mit einem Kind. Hier war die Mietbelastung in Relation zum Einkommen bei überschuldeten Haushalten um 12 Prozentpunkte
höher als beim Durchschnitt aller Haushalte dieses Typs.