Herkulesaufgabe Schuldnerberatung – Überschuldete brauchen starke Beratung

Redaktion Infodienst Schuldnerberatung

„Überschuldete brauchen starke Beratung“ – so ist der Titel der diesjährigen Aktionswoche Schuldnerberatung, die am 19.06. beginnt und ihren Höhepunkt mit dem Berliner Fachtag am 23. Juni hat. Neben einer Podiumsdiskussion mit Bundestagsabgeordneten zum Tagungsthema stellt sich dort am Nachmittag die Frage, wohin und wie sich die soziale Schuldnerberatung entwickelt. Informationen zur Aktionswoche finden Sie unter www.aktionswoche-schuldnerberatung.de.

Warum wir eine starke Beratung brauchen ist klar: Schuldnerberatung ist eine Herkulesaufgabe. Herkules ist der römische Name des aus der griechischen Mythologie bekannten Herakles. Nachdem Herakles so einiges in den Sand gesetzt hatte bekam er von König Eurystheus nicht nur eine, sondern insgesamt zwölf Aufgaben, um seine zuvor begangenen Taten zu sühnen. Herakles bewältigte alle zwölf Aufgaben, mögliche und unmögliche, das machte ihn (natürlich neben dem Kampf um Troja) bis heute berühmt.

Ob die Schuldnerberatung zu einer ähnlichen Berühmtheit gelangen wird, ist allerdings ungewiss. Zwar nimmt die Öffentlichkeit zunehmend mehr Kenntnis von unseren Bemühungen, aber bis heute fragen wir uns, wie wir um Gottes Willen die Aufgaben bewältigen sollen, die die moderne Gesellschaft an uns stellt: 4,17 Millionen Menschen sind in Deutschland laut Creditreform in einer dauerhaften „harten“ Überschuldung, ein Zuwachs von 770.000 „Fällen“. Laut AGSBV haben jedoch lediglich 647.000 Personen durch eine Schuldnerberatungsstelle Unterstützung bekommen. Wir haben also nicht einmal den Zuwachs abgedeckt!

Vielleicht ist es ja dieses grobe Missverhältnis, das die Politik die Augen verschließen lässt. Selbst das Wenige, das wir in Baden Württemberg verhandelt hatten, liegt im neuen Ministerium auf Eis. Unsere Beschwerde hierüber in Form eines Briefes der Liga der Wohlfahrtsverbände an den neuen Sozialminister Manne Lucha war bis heute nicht einmal eine Antwort wert, zumindest ist uns keine bekannt.

Die Zeiten griechischer Mythen sind Vergangenheit. Es wird kein Herkules kommen, der die Sache richtet. Es ist Aufgabe der Politik, für eine dem Problem angemessene Ausstattung der Schuldner- und Insolvenzberatung zu sorgen. Es ist gleichsam Aufgabe der Schuldnerberatung, darauf Aufmerksam zu machen, wenn das nicht geschieht.

So müssen wir mit den (mangelhaften) Ressourcen möglichst effektiv umgehen, den gesellschaftlichen Schaden möglichst begrenzen. Dabei ist ein Spagat zwischen (schneller) Entschuldung und präventiver sozialer Beratung im ganzheitlichen Sinn zu leisten. Um dies zu erreichen gilt es, das notwendige Berater*innenwissen zu schulen und die Beratungskonzepte weiter fortzuschreiben.

Ihr Redaktionsteam

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