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Aktionswoche 2005
Bericht der Zentralen Schuldnerberatungsstelle Stuttgart

DIe Zentrale Schuldnerberatung Stuttgart hat sich an der Aktionswoche "Der Mensch hinter den Schulden" beteiligt.

Die bundesweiten Aktionswochen der Schuldnerberatungsstellen haben bereits sechs Mal stattgefunden und vom 13. bis 17. Juni 2005 war erstmals auch die "Zentrale Schuldnerberatung Stuttgart" mit großem Publikumsinteresse und beachtlichem Medienecho durch mehrere Veranstaltungen vertreten.

Dieses Jahr lautete das Motto "Der Mensch hinter den Schulden", um deutlich zu machen, dass sich hinter dem Massenproblem "Überschuldung" immer ein Individuum befindet, das sich mit seinen besonderen Problemen an die Schuldnerberatung wendet. Vielfach ist die psychische Belastung so groß geworden, dass gar keine Auswege mehr gesehen werden. Die Scham vor dem als persönliches Versagen erlebten Berg von Problemen versperrt häufig den Weg zur Schuldnerberatungsstelle. In Stuttgart muss inzwischen mit über 20000 überschuldeten privaten Haushalten gerechnet werden.

Die "Zentrale Schuldnerberatung Stuttgart" in Trägerschaft der Evangelischen Gesellschaft, des Caritasverbandes und der Bewährungshilfe wird seit fast zwei Jahren durch 14 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterstützt, die ein Konzept für einen zweitägigen Informationsstand entwickelten, der am 13. und 14. Juni auf der Königstraße die Arbeit der Schuldnerberatung darstellte. Haupt- und ehrenamtliche Schuldnerberater gemeinsam führten zahlreiche Gespräche mit Betroffenen und Angehörigen. Insgesamt wurden über 1000 Broschüren und Informationsblätter verteilt. Die Höhe der neuen Pfändungsgrenzen  fanden reges Interesse und auch die Hilfsmöglichkeiten bei den immer häufiger auftretenden Kontopfändungen fanden reges Interesse.

Während der Aktionswoche haben in der Schuldnerberatungsstelle zusätzliche persönliche Beratungsangebote stattgefunden, die von ca. zwei Dutzend Menschen wahrgenommen wurden. Hier war auffällig, dass darunter etliche Personen waren, die erst durch die Bekanntmachung der Aktionswoche in den Medien den lange vor sich her geschobenen Entschluss umgesetzt hatten und die Schuldnerberatung aufsuchten.

Am 15.06.2005 wurden im Rahmen einer Vortragsreihe im Kleinen Sitzungssaal des Rathauses interessierte Bürger und Fachleute zu zwei Referaten zur Insolvenzordnung und zur Schuldenprävention eingeladen. Wolfgang Schrankenmüller, Leiter der Schuldnerberatungsstelle, sprach zu den Themen Verbraucherinsolvenz und Restschuldbefreiung unter dem Titel "Endlich wieder ohne Schulden leben". Dabei bewertete er sehr kritisch die durch den Gesetzgeber beabsichtigten Veränderungen, die künftig den ärmsten Schuldnern den Weg zur Restschuldbefreiung erschweren und sogar verwehren können.

"Wie geraten Jugendliche in die Schuldenfalle? - Möglichkeiten der Vorbeugung". So lautete das Thema von Dr. Stephanie Saleth (Erziehungswissenschaftlerin) und Martin Tertelmann (Präventionsbeauftragter der ZSB), das beide sehr anschaulich darstellten. Jugendliche stehen als Konsumenten unter einem enormen Gruppendruck durch In-Marken und der Notwendigkeit, ein Handy haben zu müssen. Eltern und Erzieher haben hier häufig kaum Einflussmöglichkleiten. Eine frühzeitge Aufklärung im Kindesalter und eine angepasste Taschengeldhöhe kann vor bösen Überraschungen schützen.

Die Vorträge waren leider nur von jeweils fünfzehn Interessierten besucht. Es ist zu vermuten, dass die relativ geringe Resonanz darauf zurückzuführen ist, dass Schulden als individuelles Versagen empfunden und daher tabuisiert werden. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass die meisten Nachfragen am Infostand mit den Worten "Also mich betrifft es ja nicht, aber ..." begannen.

Die Aktionswoche erlebte am 16.06. ein Highlight mit der Aufführung des Mitmach-Theaterstücks "No Change -No Chance" in der Jahn-Realschule in Bad Cannstatt. Die Theatergruppe Tiebreak ( www.tiebreak.net) hat die Schülerinnen und Schüler einer neunten Klasse am Schicksal der 16-jährigen Kim teilhaben lassen, die mit der Planung ihrer Geburtstagsfeier in die Schuldenfalle gerät. Die Jugendlichen machten Änderungsvorschläge für einen schuldenfreien Verlauf und spielten selbst auch aktiv mit. Durch die Verknüpfung von Spiel und realer Lebenswelt waren sie ständig mit ihrer eigenen momentanen Situation konfrontiert. Das so erlebte Stück schaffte einen idealen Zugang zu den Themen Konsum und Überschuldung, die so als Unterrichtseinheit erfolgreich vertieft werden konnten. Als weitere Zuschauer erlebten über dreißig Pädagogen den Auftritt von Tiebreak und es war zu erfahren, dass an Ort und Stelle gleich vier weitere Engagements an anderen Schulen vereinbart worden sind. Für die Schuldenprävention war dieser Nachmittag ein voller Erfolg.

Die Aktionswoche "Der Mensch hinter den Schulden" war für die Zentrale Schuldnerberatung Stuttgart in vielerlei Hinsicht erfolgreich verlaufen und hat wichtige Erkenntnisse gebracht:

* Es gab ein kooperatives Miteinander aller zwölf hauptamtlichen Schuldnerberater und 14 ehrenamtlichen Personen. Die Ehrenamtlichen arbeiten seit teilweise zwei Jahren im Projekt "Einsatz von ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Schuldnerberatung in Stuttgart" mit.
* Vielfältige Öffentlichkeitsarbeit schafft Kontakte mit betroffenen und interessierten Bürgern, mit Fachleuten und mit der Presse, denen die Nachhaltigkeit der Arbeit der Schuldnerberatung vermittelt wurde.
* Die Themen "Schulden" und "Schuldnerberatung" müssen immer wieder so plaziert werden, dass die Überschuldeten erreicht werden und dass sie aus ihrer teilweise lethargischen Betroffenheit und ihrer vielfältigen Uninformiertheit heraus kommen können. Eine Aktionswoche ist dazu geeignet.


Hans Erich Keim (Evangelische Gesellschaft Stuttgart)


15.07.2005

 

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