AK Geschäfte mit der Armut: Informationsbroschüre erscheint im Frühjahr 2003
Zahl der Pleiten schnellte hoch, so betitelte am 05.12.2002 die Stuttgarter Zeitung einen Artikel, in dem die Creditreform auf die zunehmende Überschuldung aufmerksam macht. Die Zahl der Verbraucherinsolvenzen verzeichnet im Vergleich zum Vorjahr einen Zuwachs von 83,9 % (Quelle: Creditreform). Die Angaben verdeutlichen: Überschuldung hat sich als gesellschaftliches Phänomen etabliert!
Die Betroffenengruppe hat seit langem eine Qualität erreicht, die für skrupelose Geschäftemacher höchst interessant ist. Trotz Zahlungsschwäche (oder vielmehr: gerade deswegen) wurde ein enorm lukrativer Markt entdeckt, der gezielt beworben wird. Ganz offensichtlich ist das "Geschäft mit der Armut" ein einträgliches, da betrügerische Firmen wie Pilze aus dem Boden sprossen. Es geht um viel Geld, die Masse macht das Geschäft.
Schuldnerberatungsstellen und Verbraucherschützer versuchen bereits seit längerer Zeit, Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Hierbei wurde festgestellt, dass die Rechtsverfolgung der betrügerischen Machenschaften völlig unzureichend ist und das gesunde Rechtsempfinden erheblichen Schaden nimmt.
Dies bewog zur Gründung des Arbeitskreises "Geschäfte mit der Armut", der nunmehr bereits seit 1997 tätig ist. Ziel der "AG Hai" war und ist es, eine engere Zusammenarbeit von Polizei, Staatsanwaltschaft, Gewerbeämtern, Politik, Verbraucherschutz und Schuldnerberatung zu fördern und Informationen und Maßnahmen zu bündeln. Hierdurch erhoffen wir uns ein effektiveres Vorgehen gegen Betrüger.
Die Vorgehensweise ähnelt sich meist: Der für Erleichterungsversprechen empfängliche Schuldner wird mit einem einfachen Weg zur Sorgenfreiheit geködert ("Kredit auch ohne SCHUFA", "Schuldenfrei in 6 Jahren" ...) und - meist im Wege eines Hausbesuches - zur Vertragsunterzeichnung verleitet. Aus diesem Vertrag ergeben sich finanzielle Verpflichtungen für die Betroffenen (Kreditvermittlungsgebühren, Beratungsgebühren, Auslagenpauschalen etc.), denen kein nennenswerter Gegenwert gegenübersteht. Wo immer sich die Möglichkeit bietet, werden zusätzliche Geschäfte gemacht, z.B. durch den Verkauf von Versicherungen, 0190er-Nummern etc. Die Schulden jedoch bleiben.
Die Vielfalt der Angebote und Versprechungen ist beeindruckend. Sie reicht von Kreditvermittlung, Einkommensverwaltung, Schuldenregulierung, Insolvenzantragsstellung, Versicherungsvermittlung bis zur Vermittlung von Limiteds oder Geschäftsbeteiligungen. Insbesondere im Bereich der Verbraucherinsolvenz versuchen vermehrt gewerbliche Schuldenregulierer Kapital aus den bestehenden Notlagen zu schlagen.
Bei der näheren Betrachtung ist festzustellen, dass wesentliche Bereiche des sog. grauen Marktes durch - oftmals verdeckte - interne Strukturen (Beteiligungen, Geschäftsführer, Gesellschafter) eng vernetzt und organisiert sind. Einzelne Personen haben ihr Unternehmen zu waren Imperien heranwachsen lassen und Marktanteile "voll im Griff", indem neben der Kreditvermittlung mit deren Agenturen, einem oder mehreren Inkassobüros auch Schuldenregulierungsfirmen zum Gesamtangebot gehören
Die Thematik ist schwierig und so mancher Schuldnerberater schreckt davor zurück, aktiv Gegenmaßnahmen zu ergreifen.
Um dazu beizutragen, die bestehenden Unsicherheiten zu überwinden, wird der Arbeitskreis "Geschäfte mit der Armut" mit der Unterstützung des Bundesministerien für Familien- und Verbraucherschutz 2003 eine Borschüre herausgeben, die kostenlos erhältlich sein wird. Neben detaillierten Informationen darüber, welche kriminelle Energie hinter den Angeboten steckt und welche Methoden hierbei eingesetzt werden, wird aufgezeigt, wie Sie Ihre Ratsuchenden schützen können, welche Möglichkeiten Sie haben, bereits angerichteten Schaden wieder gutzumachen und mit welchen rechtlichen Mitteln Sie aktiv gegen Betrüger vorgehen können.
Auch bei der Aktionswoche 2003 der AG SBV wird es um das Thema "Geschäfte mit der Armit" gehen. Sie werden hierzu rechtzeitig nähere Informationen erhalten.
Rainer Saleth, Zentrale Schuldnerberatungsstelle Stuttgart, 09.12.2002
PS: Es ist im Bereich der Finanzdienstleistungen enorm schwierig, die wenigen weißen von der Herde der schwarzen Schafe zu trennen. Wir weisen an dieser Stelle darauf hin, dass die Unterscheidung noch schwieriger wird, wenn seriöse Schuldnerberatungsstellen Ihre Klienten als Refinzierungssubjekte entdecken.
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