Zuletzt aktualisiert am 24.11.2006, Stefan Freeman, Diakonische Bezirksstelle Esslingen
24.11.2006

SCHUFA Schulden-Kompass 2006: Trend der privaten Ver- und Überschuldung in Deutschland verlangsamt

Der Trend zur privaten Ver- und Überschuldung in Deutschland würde sich verlangsamen. Dies hat die SCHUFA in ihrer repräsentativen jährlichen Studie, dem SCHUFA Schulden-Kompass 2006, festgestellt.

Dabei sei mit dem Privatverschuldungsindex (PVI) erstmals auch untersucht worden, wie kritische Anzeichen der privaten Verschuldung in verschiedenen Regionen Deutschlands ausgeprägt sind.

Der Schulden-Kompass würde sich seit seinem erstmaligen Erscheinen im Jahre 2003 nicht nur mit der Darstellung der SCHUFA-Daten begnügen. Von Anfang an hätte der Schulden-Kompass mit verschiedenen Beiträgen den engen Zusammenhang zwischen mangelndem finanziellen Wissen und der Ver- und Überschuldung von mittlerweile mehr als drei Millionen Privathaushalten aufgezeigt. Einen wesentlichen Bestandteil des SCHUFA Schulden-Kompasses würden externe Studien rund um die private Ver- und Überschuldung bilden.

"Nimmt die Anzahl überschuldeter Haushalte zu?" –  mit dieser Frage befasste sich für den am 22. November erschienenen "Schuldenkompass 2006" der SCHUFA der Karlsruher Sozialwissenschaftler Gunter E. Zimmermann in einer externen Analyse. Während die SCHUFA ausschließlich Daten auf Personenebene erfasst, der Themenkomplex private Überschuldung jedoch im Haushaltskontext zu sehen ist, zeigt Gunter E. Zimmermann auf der Basis des Sozioökonomischen Panels die Entwicklung überschuldeter Haushalte mit Konsumentenkrediten sowie mit Konsumenten- und/oder Hypothekarkrediten in Deutschland. Nach Aussage der Analyse ist demnach die Zahl der mit Konsumentenkrediten relativ überschuldeten Haushalte im Jahr 2005 gegenüber den Vorjahren gesunken. Gleichzeitig hat die Überschuldungsintensität jedoch deutlich zugenommen. Bezieht man allerdings Hypothekarkredite - denen aber der Wert des Wohneigentums gegenüber stehen kann - in die Berechnung mit ein, liegen die Zahlen im Vergleich zum Vorjahr auf gleich bleibendem Niveau von rund 3,0 Millionen Haushalten. Weitere externe Analysen wurden zu den Fragen "Verschuldung als soziale Lebenslage?" und "Jugend und Geld?" durchgeführt.

Die externen Analysen B, C, D seien laut Schufa gänzlich von der SCHUFA und deren Daten unabhängige externe Untersuchungen. Sämtliche Feststellungen in den externen Analysen seien keine Ergebnisse oder Folgerungen der SCHUFA, sondern ausschließlich Äußerungen oder Ergebnisse der dort genannten Autoren bzw. beteiligten Institute. Sämtliche Analysen des Schulden-Kompasses würden durch den seit 2003 bestehenden wissenschaftlichen Projektbeirat begleitet werden.

Die Themen der externen Analysen entsprechen aktuellen Fragestellungen. So wurden auch externe Untersuchungen zu Kindern und Jugendlichen berücksichtigt, nachdem im vergangenen Jahr die Altersgruppe der jungen Erwachsenen (18 bis 24 Jahre) näher beleuchtet worden war.

Die nachfolgenden Erläuterungen wurden den Internetseiten und der Pressemeldung von www.schulden-kompass.de entnommen. Die Übernahme des Textes bedeutet nicht Zustimmung oder Bestätigung des Inhalts. In Verbindung mit den aus dem Internet herunterzuladenden Analyseergebnissen ziehen Sie bitte Ihre eigenen Schlüsse.

Analyse B: Nimmt die Zahl überschuldeter Privathaushalte zu?

Während die SCHUFA ausschließlich Daten auf Personenebene erfasst, der Themenkomplex private Überschuldung jedoch im Haushaltskontext zu sehen ist, zeigt Gunter E. Zimmermann auf der Basis des Sozioökonomischen Panels die Entwicklung überschuldeter Haushalte mit Konsumentenkrediten sowie mit Konsumenten- und/oder Hypothekarkrediten in Deutschland.

Die vorgestellte Konzeption zur Messung von relativer Überschuldung ermöglicht zudem eine Hochrechnung der überschuldungsgefährdeten Haushalte. Dies sind solche Privathaushalte, die ihre Zahlungsverpflichtungen aus Krediten unter Schwierigkeiten zwar noch leisten können, aber sich aufgrund eines gerade noch positiven Einnahmen-Ausgaben-Verhältnisses an der Schwelle zur Überschuldung befinden.

Das Ausmaß der relativen Überschuldung von Privathaushalten diskutiert Gunter E. Zimmermann anhand dreier Standardindikatoren (Anzahl, Anteil und Quote relativ überschuldeter Haushalte). Des Weiteren stellt der Überschuldungsforscher mit einem Gradienten erstmals einen Indikator vor, der die Überschuldungsintensität der Haushalte misst.

Die Überschuldungslandschaft ist bei Privathaushalten mit Konsumentenkrediten in Bewegung. Nach dem hohen Überschuldungsniveau der Jahre 2003 und 2004 ist für das Jahr 2005 ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen. Waren im Jahr 2004 zwischen 1,3 Millionen (Untergrenze) und 2,9 Millionen (Obergrenze) Haushalte mit Konsumentenkrediten relativ überschuldet, so waren es im Jahr 2005 zwischen rd. 1,0 Million (Untergrenze) und 1,9 Millionen (Obergrenze) Haushalte.

Bezieht man Hypothekarkredite - denen allerdings in der Regel der Wert des Wohneigentums gegenüber steht - in die Berechnung mit ein, liegen die Zahlen im Vergleich zum Vorjahr auf gleich bleibendem Niveau von rund 3,0 Millionen Haushalten. Auf Basis von Konsumenten- und/oder Hypothekarkrediten belief sich die Zahl der relativ überschuldeten Haushalte bis zum Jahr 2002 auf gleichbleibendem Niveau von etwa 2,5 Millionen Haushalten. In den Folgejahren nahm die Anzahl der von relativer Überschuldung betroffenen Haushalte zu und lag im Jahr 2005 wie bereits im Jahr zuvor bei rd. 3,0 Millionen Haushalten.

Download (s. unten):
Analyse B: Nimmt die Zahl überschuldeter Privathaushalte zu?

Analyse C: Verschuldung als soziale Lebenslage?

Die Pilotstudie von Detlef Oesterreich und Eva Schulze vom Berliner Institut für Sozialforschung untersucht, inwiefern nicht nur objektive soziale Lebenslagen für Verschuldung oder einen finanziellen Engpass verantwortlich sind, sondern auch die Persönlichkeit des Einzelnen eine Rolle spielt.

Die Auswertungen auf Basis des Sozioökonomischen Panels (SOEP) enthalten Hinweise, ob bestimmte persönliche Eigenschaften stärker oder schwächer mit finanziellen Engpässen zusammenhängen. Darüber hinaus erlaubt der Pretest des Persönlichkeitsfragebogens für die SOEP-Umfrage 2006 die Einbeziehung von Verschuldungsindikatoren, die in anderen Untersuchungen bislang noch nicht berücksichtigt worden sind. Zu diesen Indikatoren zählt u. a. die Möglichkeit, in einer Notsituation innerhalb von zwei Wochen 1.000 Euro aufbringen zu können.

Die Analysen bestätigen den Stellenwert des sozialen Hintergrundes für die Verschuldungsproblematik. Allerdings scheinen die grundlegenden Persönlichkeitsfaktoren, wie sie in der Persönlichkeitspsychologie durch das Konzept der Big Five definiert sind (Extraversion, Gewissenhaftigkeit, Neurotizismus, Offenheit für Erfahrungen und Verträglichkeit), für die Erklärung von Verschuldung als sozialer Lage von geringerer Bedeutung zu sein.

Deutlich mehr als die Variablen des Big Five-Ansatzes trägt das Gefühl einer Fremdbestimmtheit des eigenen Lebens zur Erklärung von Verschuldung bei. Bei dem untersuchten Indikator, innerhalb von zwei Wochen 1.000 Euro aufbringen zu können, liegt die Erklärungskraft einer guten sozialen Einbindung im Bereich der Erklärungskraft sozialer Fakten wie Alter oder Arbeitslosigkeit.

Download (s. unten):
Analyse C: Verschuldung als soziale Lebenslage?

Analyse D: Jugend und Geld?

Die Studie von Elmar Lange und Karin R. Fries vom IJF Institut für Jugendforschung erweitert die bisherigen Ergebnisse des Schulden-Kompasses, in dem auch das Verschuldungsverhalten von nicht voll geschäftsfähigen, minderjährigen jungen Menschen von 10 bis 17 Jahren untersucht wird.

Anlass der Studie ist die in den Medien häufig angesprochene, aber auch in wissenschaftlichen Untersuchungen geäußerte Vermutung, dass minderjährige Kinder und Jugendliche zunehmend in die Verschuldung und Überschuldung geraten. Untersucht wird, inwiefern bei Kindern und Jugendlichen der Kauf und die Nutzung neuer Informations- und Kommunikationstechnologien, insbesondere das Mobilfunktelefon zu einer möglichen Verschuldung und Überschuldung beitragen.

Zur Sprache kommen außerdem die Finanzerziehung, die finanzielle Einnahmesituation, Kauf-, Konsum- und Verschuldungsmuster sowie das Sparverhalten von Jugendlichen. Schirmherr der Studie ist das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Kooperationspartner der Studie sind die Telekommunikationsverbände BITKOM und VATM.

Die Jugend-Studie bescheinigt den über 1.000 Befragten eine größere Finanzkompetenz als weithin vermutet. Positiv stellt sich insbesondere das Sparverhalten der Kinder und Jugendlichen dar: 84 % haben Geld gespart und zwar durchschnittlich rund 1.000 Euro. Die meisten gaben ihr Geld für Kleidung, Ausgehen, Handy und Unterhaltungsmedien aus.

"Wenn es zur Verschuldung bei Jugendlichen kommt, ist sie quer durch alle Gruppen und Schichten zu finden und hat so gut wie nichts mit speziellen sozialen Verhältnissen zu tun", resümiert der wissenschaftliche Leiter der Untersuchung, Elmar Lange von der Universität Bielefeld. Schirmherr der Studie ist das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Kooperationspartner der Studie sind die Telekommunikationsverbände BITKOM und VATM.

Download (s. unten):
Analyse D: Jugend und Geld?

Downloads

» Analyse B: Nimmt die Zahl überschuldeter Privathaushalte zu?

» Analyse C: Verschuldung als soziale Lebenslage?

» Analyse D: Jugend und Geld?

Links

» www.schulden-kompass.de

» Abkürzungsverzeichnis

Nach oben