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Gruppenarbeit in der Schuldnerberatung am Beispiel der Schuldnerhilfe Köln

Auch auf der Tagung "Verantwortung im Kredit: Voneinander Lernen - Miteinander Reden" - Kongress für Kreditberatung im Rahmen der European Coalition for Responsible Credit (ECRC) in Hamburg Februar 2006 wurde im Rahmen eines Workshops "Qualitätssicherung und Effizienz (Gruppen- und Einzelberatung, Qualitätstests, EDV Einsatz, Abrechnung)" u.a. über den Andrang bei den Schuldnerberatungsstellen und den möglichen Gruppenberatungsansatz diskutiert.

Zentrales Thema war die Reduzierung der Mittel bei gleichzeitig steigender Zahl von Ratsuchenden, was die Schuldnerberatungsstellen an den Rand ihrer Kapazitäten bringt. Von mehreren Teilnehmern wurde der Prozess der "Selbstzerfleischung" bestätigt. Nur noch die abgearbeiteten Fälle zählten. Die Finanzierung für die Schuldnerberatungsstellen würde mit Blick auf andere Einrichtungen, Kommunen und Länder kontinuierlich gesenkt werden.

Wilfried Trapp berichtete (s. nachfolgenden Artikel) in diesem Zusammenhang über den Erfolg des Gruppenberatungsansatzes in der Schuldnerberatung, der vom Institut für Finanzdienstleistungen vor ein paar Jahren im Rahmen eines Projektes entwickelt wurde. Nach einer Erprobungsphase, in der sich herausgestellt hatte, dass einige konzipierte Spielformen bei den Mandanten nicht ankamen, wurde das Gruppenberatungskonzept auf die Phasen angewendet, in denen eine gemeinsame Beratung der Schuldner möglich ist. Dadurch konnten die Wartezeiten in Köln erheblich reduziert werden.

Gruppenarbeit in der Schuldnerberatung
Wilfried Trapp, Schuldnerhilfe Köln

Die Verbraucherinsolvenz als Ausweg

Die Schuldnerberatungsstellen nehmen im Verbraucherinsolvenzverfahren neben der Anwaltschaft eine wichtige Funktion wahr. Sie beraten und unterstützen die Betroffenen bei der Vorbereitung und Durchführung des Verfahrens und sind befugt, die Bescheinigung über das Scheitern der außergerichtlichen Verhandlungen mit den Gläubigern auszustellen.

Beratungsüberlastung führte zu langen Wartezeiten

Da das Verbraucherinsolvenzverfahren für viele Schuldner der einzige Weg ist, ihre Schuldensituation zu überwinden, war der Andrang in den Schuldnerberatungsstellen von Anfang an sehr groß. Obwohl das Land NRW die Durchführung von Verbraucherinsolvenzberatung mehr als andere Bundesländer fördert, reichen die bereit gestellten Finanzmittel jedoch bei weitem nicht aus, um die Beratungsnachfrage auch nur annähernd zu befriedigen. So entstand bei der Schuldnerhilfe Köln e.V. eine Warteliste, die bis zum Jahr 2003 auf 140 Personen anwuchs. Für die Betroffenen hätte dies eine Wartezeit von zwei bis drei Jahren bedeutet. Solche Wartezeiten sind für die Betroffenen unzumutbar.

Pilotprojekt als Einstieg in die Gruppenberatung

Die Schuldnerhilfe Köln e.V. stellte daher bereits vor einigen Jahren Überlegungen an, wie die Nutzung der vorhandenen Beratungs-Ressourcen optimiert werden könnte. Die Chance zur Erprobung eines neuen methodischen Ansatzes, der eine höhere Effizienz und Effektivität versprach, bot sich im Jahr 2002.

Damals unternahmen wir im Rahmen eines vom Institut für Finanzdienstleitungen in Hamburg initiierten Pilotprojektes den ersten Versuch, Verbraucherinsolvenzberatung in Gruppen durchzuführen. Absicht des Projekts war es, die Finanzkompetenz der Gruppenteilnehmer im Prozess der Schuldenregulierung zu stärken. Bei der Gruppenarbeit wurde u.a. deutlich, dass Synergieeffekte genutzt werden konnten, weil viele Verfahrensschritte im Insolvenzverfahren identisch sind und standardisiert werden können. Durch die positiven Erfahrungen konnten anfangs durchaus vorhandene interne Vorbehalte bei den Beratungskräften, wie z.B. die Befürchtung, dass sich die Ratsuchenden in der Gruppe nicht öffnen würden, ausgeräumt werden. Es wurde im Gegenteil beobachtet, dass viele Teilnehmer geradezu erleichtert waren, mit ihren Problemen nicht allein zu stehen und sich mit Gleichbetroffenen austauschen zu können.

Abbau der Warteliste durch Gruppenberatung

Die positiven Erfahrungen ermunterten uns, den Weg der Gruppenberatung weiter zu gehen. Es gab hausinterne Fortbildungen in dieser neuen Methode, parallel dazu wurden die Konzepte zur Gruppenberatung aufgrund praktischer Erfahrungen kontinuierlich geändert und angepasst. Schließlich war die Methode so ausgereift, dass wir Mitte 2004 damit begannen, die bestehende Warteliste durch Einrichtung von Gruppen systematisch abzubauen. In 8 Gruppendurchgängen mit jeweils 10 - 14 Teilnehmern gelang es, die bestehende Warteliste bis zum Jahresende aufzulösen und die Betroffenen bei der Einleitung des Verbraucherinsolvenzverfahrens zu unterstützen. Auf diese Weise konnte die Anzahl der Insolvenzberatungsfälle um 72,5 % gegenüber dem Jahr 2003 gesteigert werden.

Vorteile der Verbraucherinsolvenzberatung in Gruppen

Die Gruppenarbeit erstreckt sich über eine Zeitdauer von ca. vier Monaten. In der Regel finden in dieser Zeit drei Gruppensitzungen statt. Eingeschoben sind darin zwei Einzelberatungstermine: Im ersten wird per EDV der Regulierungsplan erstellt, im zweiten wird der fertige Antrag geprüft, bevor er bei Gericht eingereicht wird. Zur Klärung spezieller Fragen stehen die Beratungskräfte zwischendurch auch für Einzelgespräche zur Verfügung. Insgesamt konnte die Bearbeitungszeit eines Insolvenzfalles in einer Gruppe auf 5 - 6 Stunden pro Fall reduziert werden.

Neben der größeren Beratungseffizienz bietet die Gruppenberatung aber auch den Teilnehmern große Vorteile. Die Ratsuchenden müssen in der Gruppe einen großen Teil der praktischen Arbeit selbst erledigen, z.B. die Korrespondenz mit den Gläubigern (nach Anleitung und unter Verwendung von Mustern). Dadurch werden vorhandene Selbsthilfepotentiale aufgedeckt und gefördert. Der spätere Regulierungserfolg wird eher als eigene Leistung empfunden und stärkt auf diese Weise das Selbstbewusstsein. Außerdem werden ganz lebenspraktische Dinge wie z.B. die Gestaltung eines Briefes trainiert. Immer wieder gelingt es in den Gruppen auch, die Hilfsbereitschaft untereinander zu wecken und die Restschuldbefreiung als gemeinsames Anliegen zu begreifen.

Akzeptanz der Gruppenberatung

Im August 2005 wurden 70 Teilnehmer im Rahmen einer Kundenbefragung angeschrieben, die eine Gruppenberatung erfolgreich abgeschlossen hatten. Von diesen antworteten 40 Teilnehmer, das entspricht 57,1 %. Nachstehend einige Ergebnisse:

  • Hatten Sie das Gefühl, in der Gruppe offen reden zu können?
    Ja: 36x (= 90%), Nein: 4x (= 10%)
  • Hat die Beratung bei der Lösung Ihrer Schuldenprobleme geholfen?
    Ja: 40 x (= 100 %), Nein:
  • Haben Sie in der Gruppenberatung nützliche Dinge lernen können?
    Ja: 36x (= 90%), Nein: 4x (= 10%)
  • Wie bewerten Sie unsere Gruppenberatung?
    sehr gut: 26 x (= 65,0 %)
    gut: 11 x (= 27,5 %)
    gut bis befriedigend: 1 x (= 2,5 %)
    ausreichend: 2 x (= 5,0 %)
Perspektiven

Die Verbraucherinsolvenzberatung in Gruppen ist bei der Schuldnerhilfe Köln e.V. zum Standard geworden. Nur in Ausnahmefällen, z.B. bei rechtlich oder tatsächlich komplizierten Fällen, bei unzureichenden Sprach- oder Schriftkompetenzen der Ratsuchenden oder bei besonders "schwierigen" Kunden wird die klassische Einzelfallhilfe angeboten. Auch die Skeptikerinnen und Skeptiker im Hause sind inzwischen davon überzeugt, dass wir uns mit der Gruppenarbeit in der Verbraucherinsolvenzberatung wieder stärker unserer Hauptaufgabe, der Beratung, zuwenden können; die Übernahme von Mandaten tritt in den Hintergrund.


erstellt am: 31.05.2006

 

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