Die häufigsten Finanzierungsfehler

Markus Lietz, Verbraucherzentrale Baden-Württemberg

Anlässlich des „Fachtags Schuldnerberatung“ beim Diakonischen Werk Württemberg am 18.5.04 hat Herr Lietz von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg einen Vortrag über die häufigsten Fehler in der Baufinanzierung gehalten und dem Infodienst Schuldnerberatung eine Zusammenfassung mit Powerpoint-Folien (s.u.) zur Verfügung gestellt. Wir finden den Text gut geeignet, weil er sehr prägnant ist und weil über die reine Informnation hinaus auch der Hinweis auf die VZ-Angebote enthalten ist, der es Interessierten oder Betroffenen möglich macht, direkt mit mit der VZ in Kontakt zu treten.

Die Baufinanzierung ist mit die wichtigste finanzielle Entscheidung im Leben. Dass man dabei Fehler machen kann, zeigt die nach wie vor hohe Anzahl von Zwangsversteigerungen. Die Baufinanzierung hat Ihre Tücken, doch die meisten Fehler lassen sich vermeiden. Wichtig ist, sich vor Vertragsabschluss eine Informationsgrundlage zu schaffen, um eine bedachte Entscheidung treffen zu können. Nachfolgend finden Sie eine Auflistung der wichtigsten Finanzierungsfehler und eine Übersicht über das Beratungsangebot der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg e.V. zur Baufinanzierung.

1. Übereilte Entschlüsse

Die meisten gescheiterten Finanzierungen folgten einem übereilten Entschluss zum Immobilienkauf. Zwischen dem Entschluss zum Erwerb des Eigenheims und der Durchführung lag in diesen Fällen ein Zeitraum von weniger als drei Monaten. Der Anstoß zum Erwerb ging in den meisten Fällen vom Anbieter aus.

2. Unterschätzte Gesamtkosten

Nicht nur Grundstück und Haus sind zu zahlen, sondern auch Nebenkosten wie Grunderwerbsteuer, Notar- und Maklerkosten. Diese können in die Tausende gehen. Oft wachsen während der Bauphase die Ansprüche (Einbauküche, teurere Fliesen, neue Möbel, Fußböden), oder sind neue Anschaffungen notwendig, weil in der bisherigen Wohnung Teppiche, Küche und Gardinen dem Vermieter gehörten. Das für Neuanschaffungen benötigte Geld muss vom Eigenkapital abgezogen werden!

3. Zu wenig Eigenmittel

Eigenkapital ist nur das Geld, was Sie wirklich als Bargeld, Guthaben auf dem Spar-buch oder Girokonto, dem Verkaufserlös von Wertpapieren, Angespartem auf dem Bausparvertrag oder als Rückkaufswert einer gekündigten Kapitallebensversicher-ung zur Verfügung haben. Mindestens 20% der tatsächlichen Gesamtkosten sollten als Eigenkapital vorhanden sein. Außerdem sollten alle Erwerbsnebenkosten (Notar- Maklerkosten, Grunderwerbsteuer u.a.) vom Eigenkapital bezahlt werden können.

4. Überschätzte Eigenleistungen

Eigenleistungen können nur in wenigen Ausnahmefällen ein Ersatz für Eigenkapital sein. Meist wird die eigene Fähigkeit, kostensparend und qualifiziert am Bau mit zu arbeiten überschätzt. Vergessen oder zu knapp bemessen werden oft die Material-kosten, die auch bei Eigenleistungen anfallen.

5. Unterschätzung der laufenden Belastung

Oft werden die notwendigen Kosten für den Betrieb des Eigenheimes vergessen. Das sind zum Beispiel: Heizung, Strom, Wasser, öffentliche Abgaben, wie Grund-steuer, Schornsteinfeger- und Müllgebühren, notwendige Versicherungen, Rück-lagen für Reparaturen etc. Kann der notwendige Familienunterhalt nach Abzug aller Kosten nur noch durch Konsumentenkredite oder ständige Ausschöpfung des Dispositionskredites aufrechterhalten werden, ist die Finanzierung gescheitert.

6. Geschönte Finanzierungspläne

Häufig enthalten die Finanzierungsmodelle krasse Fehler. Das sind zum Beispiel das Einrechnen der Eigenheimzulage zur Minderung der monatlichen Belastung. Oder das Vergessen der Sparleistungen für Lebensversicherungen oder Bausparverträge, ein falsch berechnetes Eigenkapital und vieles mehr.

7. „Schmierzettel“-Finanzierung

Akzeptieren Sie keine „hingeschmierten“ Finanzierungspläne.

Achten Sie jeweils auf die Änderungen nach der ersten Zinsbindung. Und lassen Sie sich alles ausführlich erklären.

Mehr Information und Beratung

Wöchentlich aktualisierter Hypothekenzinsvergleich

Um die Suche nach dem günstigsten Angebot zu erleichtern, bietet die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg e.V. einen Hypothekenzinsvergleich an. Die wöchentlich aktualisierte Datensammlung legt die Hypothekenzinskonditionen von insgesamt 80 regional und überregional tätigen Kreditinstituten offen.

Nicht nur die Zinssätze, sondern auch die von Angebot zu Angebot unterschiedlichen Nebenentgelte sind entscheidend für die Belastung des Darlehensnehmers. Das sind zum Beispiel: Schätzkosten, Bereitstellungszinsen, Zinsaufschläge bei Teilauszahlungen und Kontoführungsentgelte. Außerdem informiert der Vergleich auch darüber, bei welchem der untersuchten Kreditinstitute die Förderprogramme der Kreditanstalt für Wiederaufbau beantragt werden können. Der Vergleich kann für 7,16 EUR/ (inkl. Versandkosten) bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg e.V., Paulinenstraße 47, 70178 Stuttgart, Fax 0711/66 91 50 oder Email: finanzen@verbraucherzentrale-bawue.de bestellt werden.

Persönliche Beratung zur Baufinanzierung

bietet die VZ Baden-Württtemberg derzeit nur in Stuttgart und in Mannheim an. Von Bauinteressenten eingeholte Angebote können rechnerisch und rechtlich geprüft werden. Aus dem Vergleich der Angebote können sich Anregungen und Tipps für weitere Vertragsverhandlungen ergeben und es kann das Günstigste herausgefunden werden. Einen Schwerpunkt ihrer Beratung sieht die VZ auch darin, zu prüfen, ob und wie sich die monatliche Belastung während der Gesamtlaufzeit der Finanzierung verändert.

Ein Beratungstermin kann unter Tel: 01805 /50 59 99 (12 ct/Min) vereinbart werden. Finanzierungen werden nicht vermittelt – nur kann eine anbieter-unabhängige Beratung gewährleistet werden. Preis für diese Beratung: 120 EUR.

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