Arbeitnehmer müssen sonntags nicht den Briefkasten überprüfen!

LAG Schleswig-Holstein, vom 13. Oktober 2015, Az. 2 Sa 149/15

Zitat aus dem Urteil: […] Die Kündigung als einseitige empfangsbedürftige Willenserklärung entfaltet ihre Wirkung erst mit Zugang beim Empfänger, d.h. der Klägerin, § 130 Abs. 1 BGB. Zugegangen ist die Kündigungserklärung, wenn sie derart in den Machtbereich des Empfängers gelangt, dass dieser sich unter normalen Umständen von ihrem Inhalt Kenntnis verschaffen kann und wenn die Kenntnisnahme nach den Gepflogenheiten des Verkehrs von ihm erwartet werden muss (LAG München vom 17.12.2002 – 6 Sa 197/02). Wird das Kündigungsschreiben in den Briefkasten zu einer Tageszeit eingeworfen, bei der eine Briefkastennachschau verkehrsüblich nicht mehr zu erwarten ist, geht die Kündigungserklärung erst am nächsten Werktag zu (Rolfs in Tschöpe, Arbeitsrecht Handbuch, 9.A., Arbeitsgerichtsverfahren, Typische Klageziele, Rn. 33). […]

Das Landesarbeitsgericht stellte klar, dass Arbeitnehmer ihren Briefkasten am Sonntag grundsätzlich nicht überprüfen müssen, auch wenn an diesem Tag die Probezeit abläuft und bekannt sei, dass der Arbeitgeber auch sonntags arbeitet. Das Argument, dass am Wochenende Werbemittel und ähnliches verteilt würden, sei nicht mit der normalen Postzustellung vergleichbar.